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Zwischen Tradition und intensiver Landwirtschaft: Was ich in einem Olivenbaumschnitt-Kurs gelernt habe

Vor einiger Zeit habe ich an einem Kurs zum Olivenbaumschnitt teilgenommen und möchte euch ein paar persönliche Einblicke und Gedanken dazu geben. Der Kurs wird von der Junta de Andalucía organisiert und ist Teil des Ausbildungsprogramms für junge Landwirte des IFAPA (Instituto de Investigación y Formación Agraria y Pesquera).


Bereits vor drei Jahren habe ich dort mehrere Kurse im Bereich Imkerei besucht und dabei unglaublich viel gelernt. Nicht nur fachlich, sondern auch über die heutige Landwirtschaft.


Die Kurse sind kostenlos, gleichzeitig aber auch verpflichtend, wenn man bestimmte landwirtschaftliche Förderungen beantragen möchte. Deshalb sind sie meist sehr gut besucht. Für mich sind sie nicht nur eine gute Gelegenheit, mein Wissen zu erweitern, sondern auch, neue Kontakte zu knüpfen und die aktuellen Entwicklungen in der Landwirtschaft aus erster Hand kennenzulernen.


Dabei zeigt sich ein klarer Trend: Die Produktion wird immer intensiver und stärker mechanisiert, um Kosten zu senken und Erträge zu maximieren. Im modernen Olivenanbau bedeutet das oft eine vollständige Anpassung des Baumes an die Anforderungen der Maschinen. Die Olivenbäume werden dicht nebeneinander in langen Reihen gepflanzt und anschließend regelmäßig mit Traktoren an den Seiten und von oben geschnitten. So entstehen regelrechte Korridore, die im Herbst mit speziellen Erntemaschinen abgeerntet werden können. Diese Art von Anbei nennt man im Fachjargon Super Intensivo. Der Name sagt ja schon alles, finde ich.


Bewässerung, synthetische Düngemittel sowie der Einsatz von Herbiziden und Pestiziden gehören dabei meist zum Standard. Nach 20 bis 30 Jahren werden die Bäume häufig wieder entfernt und durch neue ersetzt.


Dabei kann ein Olivenbaum mehrere hundert Jahre alt werden und bei guter Pflege auch im hohen Alter noch reichlich Oliven tragen. Alte Bäume speichern große Mengen CO₂, sind an das lokale Klima angepasst und kommen oft ohne künstliche Bewässerung aus. Ihr Nachteil aus Sicht der industriellen Landwirtschaft: Der Einsatz großer Maschinen ist bei ihnen deutlich eingeschränkter.


Intensiver Olivenhain mit totem Boden
Intensiver Olivenhain mit totem Boden

Trotzdem kommt die Frage auf, wer hier eigentlich mit diesem System Geld verdient? Denn eine neue Plantage zu pflanzen, zu warten bis diese Produktiv wird und die speziellen Maschinen zu benützen, sind alles Investitionen des Landwirts. Wenn ich Bäume pflanze, welche 100 Jahre lang und mehr mir Früchte geben, ist dies doch viel rentabler als so eine kurzfristige Erntezeit.


Soll so unsere Landwirtschaft aussehen?
Soll so unsere Landwirtschaft aussehen?

In diesem Kurs war ich wohl die eindeutige Außenseiterin. Nicht nur, weil ich eine Deutsche und eine Frau bin, sondern auch, weil ich eine völlig andere Vorstellung davon habe, wie Landwirtschaft funktionieren kann.


Mein Ziel ist es, mit der Natur zu arbeiten statt gegen sie. Ich möchte Vielfalt fördern, verschiedene Kulturen miteinander verbinden und ein ganzheitliches System aufbauen. Auf meiner Finca soll nicht nur hochwertiges Olivenöl entstehen, sondern auch Raum für Bienen, Mandelbäume und eine lebendige Artenvielfalt sein.


Natürlich steckt viel Idealismus hinter diesem Ansatz. Vor allem aber bedeutet er viel Handarbeit, Kreativität und den Mut, Dinge anders zu machen. Gleichzeitig entstehen dadurch fast keine extra Kosten. So dass zwar die Erntemenge geringer ausfällt, aber der Gewinn pro Kilo Olive wohl für sich spricht.


Der enorme Preisdruck auf Lebensmittel, der von der Industrie ausgeht, sowie die vielen gesetzlichen Hürden für kleine Produzenten bei der Direktvermarktung ihrer Produkte treiben viele junge Landwirte in ein System, das weder sozial noch ökologisch nachhaltig ist. Wer möchte schon für 50 Euro am Tag harte körperliche Arbeit auf dem Feld leisten?


Gleichzeitig verschwindet immer mehr Natur aus der Agrarlandschaft.

Doch wir als Konsumenten haben die Möglichkeit, etwas zu verändern – Schritt für Schritt. Jedes Mal, wenn wir bei kleinen Produzenten, lokalen Läden oder regionalen Betrieben einkaufen, unterstützen wir eine Landwirtschaft, die Menschen, Tiere und Umwelt stärker berücksichtigt.


Vielen Dank an euch alle, die mich auf diesem Weg begleiten und mit eurem Vertrauen unterstützen. Ohne euch wäre dieses Projekt nicht möglich.

 
 
 

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