Wie entsteht unser hochwertiges Olivenöl? Vom Baum bis zur Flasche
- Marleen Schafer
- vor 2 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Unser hochwertiges Olivenöl entsteht nicht zufällig. Hinter jeder guten Flasche steckt ein aufwendiger Prozess, viel Handarbeit und vor allem Geschwindigkeit. Denn zwischen der Olive am Baum und dem fertigen Öl entscheiden oft nur wenige Stunden über Qualität, Geschmack und Frische.
Doch wie genau entsteht eigentlich ein echtes extra natives Olivenöl?
In diesem Artikel zeigen wir den Weg vom Olivenhain bis zur Flasche, bzw. zum Kanister — Schritt für Schritt.

Der Ursprung: Der Olivenbaum
Alles beginnt im Olivenhain.
Viele unserer Olivenbäume sind bereits über hundert Jahre alt, jedoch tragen sie immer noch Früchte. Oder besser gesagt, sie tragen wieder Früchte. Denn unser Olivenhain wurde viele Jahre lang nicht mehr bewirtschaftet und die Bäume bekamen keinen Rückschnitt. Paradoxerweise tut das dem Baum nicht gut und irgendwann trägt er kaum mehr Oliven. Unser erster Schritt war es also, die Bäume wieder in Form zu bringen!
Und nicht nur die Bäume mussten revitalisiert werden, auch der Boden, auf dem die Bäume wachsen. Denn leider wurde über viele Jahre der Boden gepflügt um die verschiedenen spontan aufkommenden Pflanzen zu entfernen. Dies sorgt dafür, dass der Boden offen und ungeschützt der heißen Sonne und den starken Winden ausgesetzt war. An manchen Stellen war die obere Bodenschicht gar nicht mehr vorhanden und das Muttergestein kam bereits zum Vorschein.

Der richtige Erntezeitpunkt entscheidet über die Qualität
Für hochwertiges Olivenöl werden die Oliven früh geerntet — oft bereits im Herbst, wenn die Früchte noch grün oder leicht violett sind.
Warum? Früh geerntete Oliven enthalten grundsätzlich mehr Aromen, mehr Polyphenole,
mehr Antioxidantien und intensiveren Geschmack. Bei so vielen Vorteilen, frägt man sich, warum nicht alle Oliven früh geerntet werden. Das ist aber klar, wenn man weiss, dass bei einer frühen Ernte weniger Ausbeute pro Kilogramm entsteht. Das heisst, man benötigt deutlich mehr Oliven für dieselbe Menge Öl. Deswegen beobachten wir immer, dass Olivenbesitzer mit einer eigenen Marke tendentiell früh ernten und Besitzer die an Kooperativen oder große Mühlen nur die Oliven verkaufen, viel später ernten.
Übrigens, genau deshalb sind hochwertige Olivenöle oft teurer.

Schnelligkeit ist entscheidend
Nach der Ernte beginnt die Uhr zu laufen. Oliven sind empfindliche Früchte. Werden sie zu lange gelagert, beginnt die Oxidation und die Qualität sinkt schnell. Deshalb bringen wir die Oliven jeden Nachmittag, direkt nach der Ernte, zu Ölmühle. Für uns bedeutet dass, 30km fahrt über eine kurvenreiche und enge Strasse mit dem voll beladenen PickUp.
An der Mühle angekommen, werden sie dann direkt verarbeitet. Je schneller die Verarbeitung, desto frischer und aromatischer bleibt das Öl.

Die Reinigung der Oliven
An der Mühle angekommen, werden die Oliven aus den Säcken, in eine Mulde geworfen. Hier kommen sie per Förderband zum Waschbereich. Es werden alle Blätter, Äste und kleine Steinchen herausgesiebt und die Oliven gründlich gewaschen.
Nur saubere, gesunde Früchte eignen sich für ein hochwertiges extra natives Olivenöl.


Das Zerkleinern der Oliven
Anschließend werden die ganzen Oliven verarbeitet — inklusive Fruchtfleisch, Schale und Kern. Moderne Mühlen nutzen dafür spezielle Edelstahlmühlen. Dabei entsteht eine dicke Olivenpaste. Schon hier entstehen die ersten Aromen, die später den Geschmack des Olivenöls prägen. Man kann sich vorstellen, dass der ganze Raum von einem intensiven Geruch erfüllt ist.
Die Malaxation: Der wichtigste Schritt
Nun wird die Olivenpaste langsam gerührt. Dieser Prozess heißt Malaxation. Dabei verbinden sich kleine Öltröpfchen zu größeren Tropfen.
Dieser Schritt ist extrem wichtig für einen guten Geschmack mit viel Aroma und Schärfe.
Die Temperatur darf dabei nicht zu hoch werden, es soll ja kalt extrahiert sein.
Das bedeutet eine Verarbeitung unter 27 Grad Celsius.

Die Trennung von Öl und Fruchtmasse
Danach wird das Öl vom Wasser und den festen Bestandteilen getrennt. Heute geschieht das mit modernen Zentrifugen. Am Ende entsteht ein frisches, naturtrübes und intensiv duftendes Olivenöl.
Direkt nach der Herstellung schmeckt hochwertiges Olivenöl oft besonders fruchtig,
grasig, leicht bitter und pfeffrig. Es kratzt so richtig im Hals. Diese Eigenschaften auch in der Flasche oder dem Kanister zu erhalten ist die Herausforderung. Wichtig ist, das Olivenöl immer vor Wärme und Licht zu schützen und die Flasche oder den Kanister nicht offen stehen zu lassen. Denn der Sauerstoff oxidiert das Öl.

Warum hochwertiges Olivenöl teurer ist
Viele unterschätzen, wie aufwendig die Herstellung wirklich ist. Premium-Olivenöl bedeutet viel Handarbeit und dies im Steilhang. Durch die frühe Ernte haben wir ein geringere Ausbeute, aber ein bessere Qualität. Die schnelle Verarbeitung ist essentiell, aber mit dem Anstieg vom Kraftstoff, ist auch der tägliche Trip zur Mühle ein Kostenfaktor. Trotzdem denke ich, wer einmal unser leckeres Olivenöl probiert hat, schmeckt den Unterschied sofort zu günstigen, industriellen Olivenölen.
Woran erkennt man hochwertiges Olivenöl?
Ein gutes extra natives Olivenöl erkennt man am frischem Duft, fruchtigem Geschmack,
leichter Bitterkeit, pfeffriger Schärfe, transparenter Herkunft und aktueller Ernte.
Hochwertiges Öl schmeckt lebendig — nicht flach oder fettig.
Fazit: Hochwertiges Olivenöl ist echte Handwerkskunst
Vom Olivenbaum bis zur Flasche sind viele Schritte nötig, um ein wirklich gutes Olivenöl herzustellen. Jede Entscheidung beeinflusst den Geschmack, die Frische, und die Qualität und gesundheitsfördernden Eigenschaften. Deshalb ist hochwertiges extra natives Olivenöl weit mehr als nur ein Speiseöl. Es ist ein Naturprodukt mit Herkunft, Charakter und traditionellem Handwerk.

Zusammenfassung
Wie lange dauert die Herstellung von Olivenöl?
Die eigentliche Verarbeitung dauert meist nur wenige Stunden. Entscheidend ist die schnelle Verarbeitung direkt nach der Ernte.
Was bedeutet „kalt extrahiert“?
Das Öl wurde bei niedrigen Temperaturen verarbeitet, damit Aroma und Qualität erhalten bleiben.
Warum schmeckt hochwertiges Olivenöl scharf?
Die leichte Schärfe entsteht durch natürliche Polyphenole und gilt oft als Qualitätsmerkmal.
Warum ist Premium-Olivenöl teurer?
Frühe Ernte, geringere Ausbeute und schonende Verarbeitung machen die Herstellung deutlich aufwendiger.


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